Kurz gesagt: Eine Konjunkturumfrage besteht aus wenigen, seit Jahrzehnten gleichen Fragen: Geschäftslage, Erwartung, Aufträge, Investitionen, Beschäftigung, dazu die Risiken. Die Auswertung besteht aus drei Kennzahlen, die aus diesen Fragen entstehen: dem Saldo je Frage, dem Klimaindex aus Lage und Erwartung und der Zeitreihe je Branche. Alle drei lassen sich einmal definieren und danach automatisch je Welle berechnen. Dieser Beitrag beschreibt die Formeln, die Gewichtung und die Fehler, die Verbände beim Wechsel von Excel auf eine Zeitreihe machen. Das Muster steht als PDF und als Online-Vorlage bereit.
Direkt zum Muster: Fragebogen-Muster als PDF herunterladen (A4, 11 Fragen, ohne Anmeldung) oder als Online-Vorlage öffnen.
Der Fragenkanon, und warum Sie ihn nicht ändern sollten
Die Konjunkturumfragen von ifo-Institut, DIHK und den Handwerkskammern stellen seit Jahrzehnten dieselben Fragen in derselben Form: Die Geschäftslage ist gut, befriedigend oder schlecht. Die Erwartung für die kommenden Monate ist günstiger, gleichbleibend oder ungünstiger. Der Auftragsbestand liegt über, auf oder unter dem normalen Niveau. Investitionen und Beschäftigung steigen, bleiben gleich oder sinken.
Die Dreiteilung ist kein Zufall. Sie erlaubt den Saldo, sie ist in einer Minute beantwortet, und sie ist über Jahrzehnte vergleichbar, weil niemand sie angefasst hat. Ein Verband, der eine Fünferskala einführt, weil sie „differenzierter“ ist, verliert die Vergleichbarkeit mit der eigenen Historie und mit den Umfragen der Kammern. Unser Muster übernimmt den Kanon unverändert und ergänzt ihn um Branche, Betriebsgröße, Auslastung, die Risikenliste und eine offene Frage.
| Frage | Antwortkategorien | Kennzahl |
|---|---|---|
| Aktuelle Geschäftslage | gut / befriedigend / schlecht | Lagesaldo |
| Geschäftslage gegenüber Vorjahr | besser / gleich / schlechter | Veränderungssaldo |
| Erwartung für die kommenden zwölf Monate | günstiger / gleichbleibend / ungünstiger | Erwartungssaldo |
| Auftragsbestand | über normal / normal / unter normal | Auftragssaldo |
| Investitionen im Inland | höher / gleich / niedriger / keine | Investitionssaldo |
| Beschäftigte | steigen / gleich / sinken | Beschäftigungssaldo |
| Auslastung | vier Klassen | Anteil über 85 Prozent |
| Größte Risiken | Mehrfachauswahl aus neun | Nennungsanteil je Risiko |
Der Saldo: eine Zahl aus drei Anteilen
Der Saldo einer Frage ist der Anteil der positiven Antworten minus der Anteil der negativen, in Prozentpunkten. Antworten 40 Prozent „gut“, 45 Prozent „befriedigend“ und 15 Prozent „schlecht“, liegt der Lagesaldo bei plus 25. Die Mitte zählt nicht, was gewollt ist: Sie ist die Ruhelage, und der Saldo misst die Abweichung davon.
Der Saldo hat zwei Eigenschaften, die ihn für Verbände brauchbar machen. Er ist über Branchen vergleichbar, weil er nicht von der Zahl der Antworten abhängt. Und er ist als Zeitreihe lesbar: Ein Saldo, der von plus 25 auf plus 8 fällt, ist eine Meldung, ein Mittelwert, der von 2,25 auf 2,08 fällt, ist keine.
In DataLion legen Sie den Saldo einmal als berechnete Kennzahl an: Anteil der Kategorie „gut“ minus Anteil der Kategorie „schlecht“. Danach steht er in jeder Welle, in jeder Branche und in jedem Export, und niemand pflegt mehr eine Formel in Excel.
Der Klimaindex: Lage und Erwartung in einer Zahl
Das Geschäftsklima fasst Lagesaldo und Erwartungssaldo zusammen. Das ifo-Institut rechnet dafür das geometrische Mittel der beiden um 200 verschobenen Salden und zieht 200 wieder ab:
Klima = √((Lagesaldo + 200) · (Erwartungssaldo + 200)) − 200
Die Verschiebung um 200 sorgt dafür, dass beide Faktoren positiv bleiben; das geometrische Mittel bestraft es, wenn Lage und Erwartung weit auseinanderliegen. Viele Kammern und Verbände nehmen stattdessen das arithmetische Mittel der beiden Salden, was bei nahe beieinanderliegenden Werten fast dasselbe ergibt und leichter zu erklären ist. Welche Variante Sie wählen, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass Sie eine wählen, sie dokumentieren und nie wechseln, denn ein Klimaindex, dessen Formel sich geändert hat, ist keine Zeitreihe mehr.
Auch der Klimaindex ist in DataLion eine berechnete Kennzahl auf Basis der beiden Salden. Wer den Index als Punktwert auf 100 normieren will, wie es die Kammern für ihren Konjunkturklimaindikator tun, legt eine zweite Kennzahl daneben.
Gewichtung: wer antwortet, ist nicht wer Mitglied ist
Bei einer Verbandsumfrage antworten nicht alle Mitglieder, und die, die antworten, sind nicht zufällig: Kleine Betriebe antworten seltener, die Bauwirtschaft anders als der Handel, und wer gerade Sorgen hat, antwortet eher als wer keine hat. Ein ungewichteter Saldo ist deshalb ein Stimmungsbild der Antwortfreudigen.
Wenn Sie die Verteilung der Mitglieder nach Branche und Betriebsgröße kennen, und ein Verband kennt sie, gewichten Sie den Rücklauf darauf. Ein Betrieb mit 300 Beschäftigten bekommt dann das Gewicht, das seiner Gruppe in der Mitgliederstruktur entspricht. Das ifo-Institut gewichtet zusätzlich nach Beschäftigten oder Umsatz, damit ein großer Betrieb die Branche stärker prägt als ein kleiner. Welche Variante Sie wählen, hängt davon ab, was der Bericht behaupten soll: „So sehen unsere Mitgliedsbetriebe die Lage“ verlangt Betriebsgewichte, „So sieht die Branche die Lage“ Beschäftigtengewichte.
In DataLion hinterlegen Sie die Sollverteilung einmal als Gewichtungstabelle; alle Charts und Exporte rechnen danach gewichtet, und der Bericht zeigt die Fallzahl je Zelle daneben.
Die Zeitreihe: jede Welle in denselben Datensatz
Der häufigste Grund, warum Konjunkturumfragen in Excel bleiben, ist die Zeitreihe: Sie liegt in einer Datei mit einem Reiter je Welle, die eine Kollegin versteht. Der Weg heraus ist einfach zu beschreiben und verlangt Disziplin: Jede Welle wird an denselben Datensatz angehängt, mit einem Wellenfeld, das Quartal und Jahr trägt. Der Fragebogen bleibt als Vorlage erhalten und wird je Welle unverändert neu veröffentlicht.
Dann ist die Zeitreihe je Branche ein Chart, keine Fleißaufgabe: Lagesaldo, Erwartungssaldo und Klima als Linien über alle Wellen, per Filter auf die Bauwirtschaft oder auf Betriebe unter 50 Beschäftigten eingeschränkt. Alte Wellen aus Excel importieren Sie einmal nachträglich, wenn die Fragen gleich codiert sind; wo sie es nicht sind, legen Sie eine Umkodierung an.
Sonderfragen zum aktuellen Thema, etwa Energiepreise oder Lieferketten, hängen Sie je Welle an das Grundgerüst an. Sie bekommen ihre eigenen Variablen und stören die Zeitreihe nicht.
Die Risikenliste als Rangfolge im Wellenvergleich
Die Mehrfachfrage nach den größten Risiken liefert je Risiko einen Nennungsanteil. Für sich genommen ist die Rangfolge wenig überraschend: Fachkräftemangel und Energiepreise stehen seit Jahren vorn. Interessant wird sie im Wellenvergleich: Welches Risiko steigt, welches fällt, und in welcher Branche zuerst? Ein Balkenchart mit zwei Wellen nebeneinander ist der zweite Chart, der in die Pressemitteilung kommt.
Der Bericht: Presse, Vorstand, Mitglieder
Drei Empfänger, drei Formate aus demselben Dashboard. Für die Pressemitteilung exportieren Sie die Zeitreihe und das Risiken-Ranking als PowerPoint im Verbandslayout. Für den Vorstand denselben Export mit der Aufschlüsselung nach Branche und Betriebsgröße. Für die Mitglieder teilen Sie das Dashboard als Link, den sie ohne Login öffnen und nach ihrer eigenen Branche filtern. Das ist der Konjunkturbericht, den sie vom Institut nie bekommen haben, und einer der wenigen Gründe, die ein Mitglied für den Beitrag benennen kann.
Über Zugriffsprofile kann jede Fachgruppenleitung zusätzlich ein Dashboard bekommen, das fest auf die eigene Branche gefiltert ist und den Gesamtwert daneben zeigt.
Häufige Fehler beim Wechsel von Excel auf eine Zeitreihe
- Der Fragebogen wird beim Umzug „verbessert“. Jede Änderung an den Kernfragen bricht die Zeitreihe. Änderungen gehören in Sonderfragen.
- Das Wellenfeld fehlt. Ohne eine Variable, die Quartal und Jahr trägt, ist der Datensatz ein Haufen, keine Reihe.
- Die Formel wandert mit. Wer den Saldo weiter in Excel rechnet und nur die Charts umzieht, hat zwei Wahrheiten. Der Saldo gehört als berechnete Kennzahl in den Datensatz.
- Die Gewichtung wird vergessen. Ein ungewichteter Saldo aus 180 Antworten ist ein Stimmungsbild, kein Branchenwert.
- Kleine Branchen werden ausgewiesen. Zwölf Antworten aus dem Gastgewerbe ergeben einen Saldo, aber keinen belastbaren. Legen Sie eine Mindestfallzahl fest und fassen Sie darunter zusammen.
Das Muster als PDF und als Online-Fragebogen
Das PDF-Muster ist die Papierfassung mit Ankreuzkästchen, gedacht für die Abstimmung mit Vorstand und Fachgruppen. Die Online-Vorlage ist derselbe Bogen als Umfrage; Sie veröffentlichen ihn je Welle neu, verschicken den Link per Newsletter oder über die Feldphase mit Kontaktliste und Erinnerung, und die Antworten laufen in den Datensatz, in dem Saldo, Klima und Zeitreihe schon definiert sind.
Nächster Schritt
Laden Sie das PDF-Muster herunter und gleichen Sie es mit Ihrem bisherigen Fragebogen ab. Wo die Fragen übereinstimmen, importieren Sie die alten Wellen; wo nicht, beginnt die Zeitreihe mit der nächsten Welle. Öffnen Sie dann die Online-Vorlage, legen Sie Saldo und Klima als berechnete Kennzahlen an und verschicken Sie die erste Welle. Wie die Mitgliederbefragung daneben liegt, beschreibt die Seite Mitgliederbefragung und Konjunkturumfrage für Verbände.