Bürgerbefragung zur kommunalen Wärmeplanung: Fragebogen-Muster (PDF) und Auswertung je Eignungsgebiet

Kurz gesagt: Das Wärmeplanungsgesetz verpflichtet Kommunen zu einem Wärmeplan, und die Bestandsanalyse stößt sofort auf zwei Lücken, die in keinem Register stehen: womit die Menschen heute heizen und ob sie sich an ein Wärmenetz anschließen würden. Eine Bürgerbefragung schließt beide Lücken, wenn sie kurz ist, Eigentümer von Mietern trennt und je Eignungsgebiet auswertbar bleibt. Das Muster steht als PDF und als Online-Vorlage bereit; der zweite Teil beschreibt die Auswertung für Netzplanung und Gemeinderat.

Direkt zum Muster: Fragebogen-Muster als PDF herunterladen (A4, 11 Fragen, ohne Anmeldung) oder als Online-Vorlage öffnen.

Was das Gesetz verlangt, und wo die Befragung ansetzt

Das Wärmeplanungsgesetz ist seit Anfang 2024 in Kraft. Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen ihren Wärmeplan bis Mitte 2026 vorlegen, kleinere bis Mitte 2028; die Länder regeln die Details und die Zuständigkeit. Der Wärmeplan besteht aus einer Bestandsanalyse, einer Potenzialanalyse, einem Zielszenario und einer Umsetzungsstrategie, und das Gesetz verlangt die Beteiligung der Öffentlichkeit.

Die Bestandsanalyse arbeitet mit Daten der Netzbetreiber, der Schornsteinfeger und der Gebäudestatistik. Zwei Dinge fehlen darin: Der tatsächliche Heizungsbestand ist oft nur auf Ebene des Kehrbezirks bekannt, nicht auf Gebäudeebene, und die Frage, ob Eigentümer sich an ein Wärmenetz anschließen würden, steht nirgends. Genau diese Anschlussbereitschaft entscheidet aber, ob ein Netz wirtschaftlich ist. Eine Bürgerbefragung liefert beides und erfüllt nebenbei die Beteiligungspflicht.

Was in das Muster gehört

BlockFragenWofür
WohnsituationEigenes Haus, eigene Wohnung, Miete, VermieterEigentümer und Mieter antworten in fast jeder Frage anders
HeizungsbestandEnergieträger, Alter der AnlageDie Lücke in der Bestandsanalyse
InformationsstandWie gut informiert über die Wärmeplanung?Der Ausgangswert für die Kommunikation
ZustimmungFünf Aussagen: Ich weiß, was der Plan für mein Gebäude bedeutet; Vertrauen in die Kommune; Sorge um Kosten; Anschlussbereitschaft ans Wärmenetz; geplanter HeizungstauschDie Kernzahlen für Netzplanung und Gemeinderat
PräferenzBevorzugte Heizlösung beim TauschNachfrage je Technologie
Hürden und WünscheWas hält vom Tausch ab? Welche Unterstützung wünschen Sie sich?Das Beratungsangebot
Kanal, offen, AlterBevorzugter Informationsweg, offene Frage, AltersgruppeKommunikation und Gewichtung

Der Stadtteil oder das Eignungsgebiet steht nicht im Bogen. Er kommt über einen Parameter am Umfragelink in den Datensatz: ein QR-Code je Gebiet im Anschreiben oder auf der Infoveranstaltung. So bleibt der Bogen anonym, und die Anschlussbereitschaft ist trotzdem dort lesbar, wo das Netz geplant wird.

Das Muster als PDF und als Online-Fragebogen

Das PDF-Muster ist die Papierfassung mit Ankreuzkästchen, gedacht für die Abstimmung mit Klimaschutzmanagement, Stadtwerken und Gemeinderat, und für die Infoveranstaltung, auf der ein Teil der Anwesenden lieber auf Papier antwortet. Die Online-Vorlage ist derselbe Bogen als Umfrage; Sie passen die Heizlösungen an die Optionen Ihres Wärmeplans an, veröffentlichen sie und drucken je Eignungsgebiet einen QR-Code. Papierrückläufe erfasst die Verwaltung über den Excel-Import in denselben Datensatz.

Erheben: Anschreiben, Amtsblatt, Infoabend

Drei Wege, die sich ergänzen. Das Anschreiben an alle Eigentümer im Eignungsgebiet mit QR-Code und Kurzlink erreicht die Gruppe, auf die es für die Netzplanung ankommt. Das Amtsblatt und die Website erreichen alle anderen, mit einem allgemeinen Link. Der Infoabend erreicht die, die Fragen haben, und dort liegt der Papierbogen aus.

Eine Zufallsstichprobe ist für die Anschlussbereitschaft nicht nötig, weil Sie ohnehin alle Eigentümer im Gebiet ansprechen wollen; das ist eine Vollerhebung mit Rücklaufquote. Für die allgemeinen Fragen zu Informationsstand und Vertrauen ist die offene Befragung verzerrt, weil die Interessierten antworten. Beides lässt sich im Bericht sauber trennen, wenn Sie es vorher so anlegen.

Auswerten: für die Netzplanung und für den Gemeinderat

1. Die Anschlussbereitschaft je Eignungsgebiet

Die Zustimmung zur Aussage „Ich würde mich an ein Wärmenetz anschließen, wenn es in meiner Straße verfügbar wäre“, gefiltert auf Eigentümer im jeweiligen Gebiet, ist die Zahl für die Netzplanung. Rechnen Sie den Anteil der beiden zustimmenden Stufen (Top-2-Box) und stellen Sie die Fallzahl daneben. Kreuzen Sie mit dem Heizungsalter: Eigentümer mit einer Anlage über 20 Jahre müssen in den nächsten Jahren ohnehin tauschen, und ihre Anschlussbereitschaft ist die, die kurzfristig zählt.

Eine Befragung misst Absichten, keine Verträge. Die übliche Erfahrung ist, dass die tatsächliche Anschlussquote unter der erklärten Bereitschaft liegt; wie weit, hängt von Preis, Zeitpunkt und Beratung ab. Berichten Sie die Zahl deshalb als Bandbreite mit Fallzahl, nicht als Prozentwert mit Nachkommastelle.

2. Der Heizungsbestand als Ergänzung der Bestandsanalyse

Energieträger und Anlagenalter je Gebiet, gekreuzt mit der Wohnsituation, ergänzen die Daten der Schornsteinfeger dort, wo sie zu grob sind. Das Ergebnis ist eine Tabelle je Gebiet: wie viele Gasheizungen, wie viele davon über 20 Jahre, wie viele Eigentümer, die einen Tausch planen. Diese Tabelle gehört in die Bestandsanalyse, mit dem Hinweis auf Rücklauf und Gewichtung.

3. Informationsstand und Vertrauen für den Gemeinderat

Die Zustimmungsmatrix als divergierende Balken zeigt dem Gemeinderat zwei Dinge: wie viele Menschen wissen, was der Wärmeplan für ihr Gebäude bedeutet, und wie viele der Kommune die Steuerung zutrauen. Beide Werte sind zu Beginn der Planung meist niedrig, und beide sind der Ausgangswert, an dem sich die Kommunikation der nächsten zwei Jahre messen lassen muss. Wiederholen Sie die Befragung nach zwei Jahren mit unveränderten Fragen.

4. Hürden und Unterstützung als Beratungsprogramm

Die Mehrfachfragen zu Hürden und gewünschter Unterstützung liefern je Antwort einen Nennungsanteil. Als Rangfolge je Wohnsituation sind sie das Beratungsprogramm: Wenn Eigentümer von Einfamilienhäusern die Unsicherheit über Förderung nennen und Wohnungseigentümergemeinschaften die baulichen Voraussetzungen, brauchen beide Gruppen andere Angebote. Die offene Frage codieren Sie nach Thema; aus 900 Kommentaren wird eine Liste von zehn Themen mit Häufigkeit.

5. Gewichten, wenn die Einwohnerstatistik es erlaubt

Für die allgemeinen Fragen gewichten Sie den Rücklauf auf die Verteilung nach Gebiet, Wohnsituation und Altersgruppe aus der Einwohnerstatistik. Das gleicht die Überrepräsentation der Interessierten teilweise aus. Für die Anschlussbereitschaft je Gebiet gewichten Sie nicht; dort ist die Zahl der Eigentümer, die geantwortet haben, die Information, nicht ihr Anteil an einer Grundgesamtheit.

Anonymität in kleinen Gebieten

In einem Eignungsgebiet mit 40 Gebäuden identifizieren Wohnsituation, Heizung und Altersgruppe zusammen ein Haus. Zwei Regeln: Erstens speichert die Befragung weder IP-Adresse noch Kontaktdaten. Zweitens legen Sie eine Mindestfallzahl fest, unterhalb derer ein Gebiet nicht ausgewiesen wird, und fassen kleine Gebiete zusammen. Was Sie im Anschreiben zusichern, sollte genau dem entsprechen; nach einer Befragung, bei der sich Eigentümer wiedererkannt haben, antwortet in der Wiederholung niemand mehr.

Häufige Fehler

  • Die Wohnsituation weglassen. Ohne die Trennung von Eigentümern und Mietern ist die Anschlussbereitschaft nicht zu deuten.
  • Technische Begriffe im Bogen. „Wärmenetz“ und „Eignungsgebiet“ brauchen im Anschreiben einen Satz Erklärung, sonst antwortet die Hälfte „weiß nicht“.
  • Die Befragung vor der Kommunikation. Wer befragt, bevor irgendjemand vom Wärmeplan gehört hat, misst Unkenntnis. Ein Infoblatt im Anschreiben hebt den Informationsstand und den Rücklauf.
  • Prozentwerte ohne Fallzahl. 68 Prozent Anschlussbereitschaft aus 22 Antworten sind keine Planungsgrundlage. Die Fallzahl gehört neben jede Zahl.
  • Keine Wiederholung. Ohne die zweite Welle nach zwei Jahren bleibt unbelegt, ob die Beratungsangebote etwas verändert haben.

Nächster Schritt

Laden Sie das PDF-Muster herunter, passen Sie die Heizlösungen an die Optionen Ihres Wärmeplans an und stimmen Sie den Bogen mit Klimaschutzmanagement und Stadtwerken ab. Wenn die Fassung steht, öffnen Sie die Online-Vorlage, übertragen Ihre Anpassungen und erzeugen je Eignungsgebiet einen QR-Code für das Anschreiben. Wie der Kundenmonitor der Stadtwerke daneben liegt, beschreibt der Beitrag zum Kundenmonitor für Stadtwerke; für die allgemeine Bürgerbefragung gibt es das Muster zur Bürgerbefragung.

Häufige Fragen

Ist eine Bürgerbefragung zur Wärmeplanung Pflicht?
Das Wärmeplanungsgesetz verlangt die Beteiligung der Öffentlichkeit, schreibt aber keine Befragung vor. In der Praxis ist die Befragung der Weg, die beiden Lücken der Bestandsanalyse zu schließen: den tatsächlichen Heizungsbestand auf Gebäudeebene und die Anschlussbereitschaft ans Wärmenetz. Beides steht in keinem Register.
Bis wann müssen Kommunen ihren Wärmeplan vorlegen?
Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern bis Mitte 2026, kleinere bis Mitte 2028. Die Länder regeln die Details und können frühere Fristen setzen; einige hatten schon vor dem Bundesgesetz eigene Pflichten.
Wie schätzen wir die Anschlussquote für ein Wärmenetz ab?
Über die Zustimmung zur Anschlussfrage, gefiltert auf Eigentümer im Eignungsgebiet und gekreuzt mit dem Heizungsalter. Berichten Sie den Wert als Bandbreite mit Fallzahl. Eine Befragung misst Absichten; die tatsächliche Quote liegt erfahrungsgemäß darunter und hängt von Preis, Zeitpunkt und Beratung ab.
Sollen wir Eigentümer anschreiben oder offen befragen?
Beides. Das Anschreiben an alle Eigentümer im Eignungsgebiet mit eigenem QR-Code liefert die Anschlussbereitschaft als Vollerhebung. Amtsblatt, Website und Infoabend erreichen alle anderen mit einem allgemeinen Link. Beide Wege laufen in denselben Datensatz und werden über den Parameter getrennt ausgewertet.
Wie bleibt die Befragung in einem kleinen Gebiet anonym?
Der Bogen fragt nicht nach Adresse oder Gebiet; das Gebiet kommt über den Link. Die Befragung speichert weder IP-Adresse noch Kontaktdaten, und eine Mindestfallzahl verhindert, dass Gebiete mit wenigen Antworten ausgewiesen werden. Kleine Gebiete fassen Sie zusammen.
Wann sollten wir die Befragung wiederholen?
Nach etwa zwei Jahren mit unveränderten Fragen, um zu messen, ob Informationsstand und Vertrauen gestiegen sind und ob die Beratungsangebote die Hürden verringert haben. Ohne Wiederholung bleibt die Wirkung der Kommunikation unbelegt.

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